Chronologie des Vereinsfußballs in Taucha

Quellenverzeichnis: „Tauchaer Heimatblatt“, Jahrgänge 1926-1939 / „Die Entwicklung der Turn- und Sportbewegung in Taucha von den Anfängen bis zum XII. Turn- u. Sportfest“, (Lothar Fritsch, 1960)

1945/1946

Der Krieg war vorbei, Deutschland lag in Trümmern. Die Menschen waren mutlos, am Ende ihrer physischen Kräfte. Zuviel hatten sie durchmachen müssen, die Angst vor der Zukunft machte das Leben nicht gerade leichter. Alles lag am Boden, viele Menschen trauerten um Familienangehörige oder warteten auf ein Lebenszeichen ihrer Verwandten.

Der Wiederaufbau des Landes war nun ganz wichtig. Die Menschen wollten wieder Sport treiben, also auch Fußball spielen. Inmitten des herrschenden Chaos fanden sich einige Unentwegte zusammen, um wieder das Spiel mit dem runden Leder zu organisieren. Es waren meist alte Arbeitersportler. Bälle gab es nicht, die Sportplätze waren umfunktioniert, Flüchtlinge hatten dort Behelfsquartiere aufgeschlagen. Manche Plätze waren zerbombt, einige für den Gemüseanbau genutzt, um den schlimmsten Hunger zu mildern. Trotzdem verschickte die Stadt Leipzig bereits im August ein Rundschreiben an die ihr bekannten Sportler und Funktionäre, die beim Aufbau des Sports mithelfen wollten.

Werter Sportfreund
Als Mitglied des technischen Ausschusses lade ich Sie für Sonnabend, den 1. September 1945, 15.00 Uhr, zu einem Kurzlehrgang ein. Wir wollen neben zwei Stunden Lehrarbeit (Sportkleidung ist demzufolge mitzubringen), auch über unsere nächsten Aufgaben Aussprache halten und den technischen und organisatorischen Aufbau der Leibesübungen der Stadt Leipzig kennenlernen. Jede Sparte muß vertreten sein. Sollten Sie aus zwingenden Gründen nicht erscheinen können, dann ist ein Vertreter einzuladen. Auf keinen Fall darf es vorkommen, dass eine Sportart unvertreten ist.
Im Auftrag gez. E. Riedeberger Technischer Hauptausschuss

Am 26. August 1945 rollte zum ersten Mal wieder der Ball nach Kriegsende. Vor 8000 Zuschauern fand auf dem Tura Spielplatz in Leutzsch ein Städtespiel zwischen Leipzig und Dessau statt. In seiner Begrüßung wies der Direktor des Leipziger Sportamtes, Bruno Plache, daraufhin, dass dieses Spiel die erste Sportveranstaltung nach dem Kriegsende überhaupt sei.

Dessau gewann mit 4:2. Am 12. Mai 1946 Städtespiel Leipzig – Dresden: auch in Taucha wollte man wieder Fußball spielen. Ehemalige Spieler, Funktionäre und Gewerbetreibende taten sich zusammen, um einen normalen Spielbetrieb zu ermöglichen. Die Arbeitersportler Grahl, Heidenreich und Zehrfeld, R. sind besonders hervorzuheben. In der Gaststätte „Zur Bürgerruhe“ wurden die Spielausschusssitzungen abgehalten, es war das Sportlokal für die 1. Mannschaft. Alte Vereinsnamen durften nicht beibehalten werden, so wurden neue Sportgemeinschaften gegründet, Taucha, Thekla, Probstheida um einige zu nennen, nannten sich ganz einfach SG. Geld, Fußballschuhe, Sportsachen und Bälle waren kaum vorhanden.

Es wurde improvisiert und untereinander geholfen. Schlechte Zeiten formen die Menschen, es entstand ein Zusammengehörigkeitsgefühl, welches bei allen Beteiligten viele Jahre Vorrang hatte. Am 19.12.1946 brannte, bei der Einweihung des neuen Sportlerheims an der Kriekauer Straße, der fast fertiggestellte Bau restlos ab. Standort war, wo heute das Feuerwehrauto steht. Viele Jahre standen dort noch die Fundamente.
In den sechziger Jahren hat man an dieser Stelle ein Volleyballfeld errichtet. Der Wirt der abgebrannten Gaststätte war Walter Weichhold, genannt der „Sekt“. Er spielte früher selbst Fußball und war maßgeblich an der Entwicklung des Vereins und des Nachwuchses beteiligt. Fast zwei Generationen der Tauchaer Spieler sind durch ihn betreut worden.

1947/1948

Er war Trainer und Organisator in einer Person. Spielverkehr, An- und Abmeldungen, also sämtlichen Schriftverkehr, erledigte er selbst. So mancher gute Tauchaer Spieler ging durch seine Schule. Die Auswärtsspiele der Knaben- und Jugendmannschaften mussten mit der Straßenbahn oder dem Fahrrad erreicht werden. Die Begeisterung der Jugend war da. Es bildeten sich in Taucha sogenannte Straßenmannschaften, echte Straßenfußballer. Der Gewinneberg in Dewitz, die Parthenwiesen in Plösitz, der Lindner Platz, der Platz vor der Neuen Schule oder der Sportplatz an der Alten Schule.

Jeder freie und einigermaßen ebene Platz wurde benutzt, um ein sogenanntes „Schiebchen“ zu machen. Es wurde natürlich auch gegeneinander gespielt. Die Mannschaft des Lindner Platzes bekam auf dem Gewinneberg Probleme, weil die Bäume vom Gegner als zwölfter Mann genutzt wurden. Aber so nach und nach meldeten sich von diesen Mannschaften die Besten bei der SG Taucha an, um organisiert Fußball zu spielen. Ein gewisser Herr Schütze, Russischlehrer an der Alten Schule, war ein Fußballverrückter. Er ließ sogar manchmal den Unterricht ausfallen, um mit seinen Schülern dem runden Leder nachzujagen.
Er gründete 1948 eine Schulmannschaft, um mit dieser an einem Leipziger Ausscheid teilzunehmen. Die alte, die Geschwister-Scholl-Schule, stand im Endspiel und besiegte Engelsdorf mit 2:1. Es waren Schüler der 7. und 8. Klassen, also 13–15 Jahre alt.

Die Spieler Oppelt, Jubisch, Schmidt, Eulitz, Fischer und Kreysch wurden später Spieler der 1.Mannschaft. Auch aus der Engelsdorfer Elf entwickelten sich einige Spieler, die noch lange in Engelsdorf oder anderen Leipziger Vereinen spielten. So stand man sich oftmals wieder gegenüber, um Punkte zu erkämpfen. So manche einzelnen Karrieren reichten bis zum Seniorenalter. Man lernte sich also kennen und somit über Jahre achten.